Zur Geschichte des Sports in Halle.
Körperübungen als freudbetontes Treiben und zur Erhöhung der Wehrfähigkeit für den Schutz der Stadt, sind in Halle wie in allen mittelalterlichen Städten, so alt wie die Stadt selbst.
So finden wir Organisationsformen für militärische Übungen in den Zünften und Innungen, aus denen im Spätmittelalter auch in Halle die Schützengesellschaften entstanden.
Im modernen Verständnis handelt es sich eher um eine Verbindung zur Pflege des geselligen Lebens, als um Sportvereine.
Das Schwimmen wurde über die Jahrhunderte hinweg zu einem festen Bestandteil der Lebensgewohnheiten der Halloren. Besonders die unteren Schichten der Salzwirkerbrüderschaft mussten ab dem Ende des 18. Jahrhunderts aufgrund von Absatzkrisen in der Salzproduktion diese Sportart nutzen, um sich als Schwimmlehrer ihren Lebensunterhalt zu sichern. Auch durch die mutigen Sprünge von den Saalebrücken zeichneten sich die Halloren aus.
Nach der Revolution 1848 wurde in Halle der erste Turnverein als Schülerturnverein in den Franckeschen Stiftungen gegründet. In der Folgezeit entwickelte sich auch hier ein neues Sportverständnis und es kam zur Gründung weiterer Vereine, die sich speziellen Sportarten widmeten: z.B. vom Bürgertum initiierte Vereine für Rudern und Tennis, während Schwerathletik (Boxen, Ringen, Gewichtheben) stärker durch die Vereine des Arbeitersports betrieben wurden. Bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich die Leichtathletik aus der ursprünglichen Funktion als Konditionstraining des Fußballs, zu einer eigenständigen Art des Sporttreibens.
Seit 1890, besonders mit der Gründung des Arbeiter-Turnerbundes Deutschland 1893, tritt auch in Halle eine neue gesellschaftliche Gruppe neben die bisherigen Vereine.
Die Arbeiter sind durch die Erfahrungen des Sozialistengesetzes (1878 – 1890) bestrebt, eigene, von den bürgerlichen Organisationen unabhängige, der Arbeiterbewegung zugeordnete Vereine zu bilden. Vielfach wurden sie von Sozialdemokraten geführt.
Nach dem 1. Weltkrieg entsteht in allen Teilen der Bevölkerung ein äußerst starkes Bedürfnis, in freier Natur zu wandern und Sport zu treiben. Viele Vereine, die kriegsbedingt ihren Betrieb einstellen mussten, beginnen, personell und materiell, mit hohen Zielen den Neuaufbau. Sport bekommt Massencharakter, was sowohl die aktive Teilnahme, als auch das Zuschauerinteresse betrifft. Der Magistrat und die weitere Öffentlichkeit bemühen sich, Halle zu einer Stadt des Sports zu machen; neue Sportstätten entstehen, große Wettkämpfe werden organisiert („Quer durch Halle“), hallesche Sportler erkämpfen nationale und internationale Anerkennung.
Der Arbeitersport ist zu einer wohlorganisierten, leistungsstarken Struktur mit vielfach eigenen Wettkampf- und Spielsystemen gewachsen. An der Universität müssen jedoch konservative Vorbehalte mühsam überwunden werden, ehe das Institut für Leibesübungen (IfL, seit 1925) Ansprüche auf wissenschaftliche Anerkennung anmelden kann.
Technische Sportarten (Auto- und Motorradrennsport, Flugsport) haben einen festen Platz im Sportleben der Stadt.
Nach dem Ende der Weimarer Republik und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, erfolgte eine „Gleichschaltung“ des Sports und damit eine fließende Einordnung in die neuen Strukturen des Nazisports.
Das bedeutete die Aufgabe demokratischer Prinzipien im Vereinsleben. Dem sofortigen oder (bei konfessionellen Vereinen) allmählichen Ausschluss von der kommunalen Sportförderung, dem Verbot und der Zerschlagung des Arbeitersports folgen alsbald Diskriminierung und Verfolgung der Mitglieder solcher Vereine.
Gleichzeitig vollzieht sich eine irrationale Aufwertung des Sports im Rahmen der nationalistischen Ideologie und Propaganda. Das bringt messbare Ergebnisse in der Massenbeteiligung am Sport („Kraft durch Freude“) und mehr noch in der Leistungsentwicklung. Hallesche und die in Halle ehemals trainierenden Spitzensportler werden national und international bekannt. (G. Stöck, H.H. Sievert)
Diese (scheinbare, echte?) Blüte des Sports endet mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges.
Aber bereits nach Kriegsende im Mai 1945, entstanden auf kommunaler Ebene wieder die ersten Sportgemeinschaften.
Eine Besonderheit in der Sowjetischen Besatzungszone (Halle war durch die Aufteilung Deutschlands durch die Siegermächte der SBZ zugeordnet) war die Zulassung des Profisports. Auch in Halle war der Profisport (Boxen, Radfahren) stark ausgeprägt.
In Halle organisierten sich die Sportler vor allem in Betriebssportgemeinschaften, die durch die halleschen Großbetriebe großzügig gefördert wurden.
Die Verfassung der DDR von 1949 und das Jugendgesetz von 1950 sicherten jedem Bürger das Recht auf Sport zu, der nunmehr Massencharakter erhielt. Die bald einsetzende Orientierung auf den Spitzensport führte in den 50 iger Jahren zur Gründung der Clubs SC Wissenschaft und später SC Chemie Halle.
Der Leistungsbeschluss des Präsidiums des DTSB von 1969 hatte bei zahlreichen halleschen Sportlern und Trainern tiefwirkende Konsequenzen, denn durch die eingeschränkte Konzentration auf medaillenintensive „Olympiasportarten“ verloren andere Sportarten (wie Alpiner Rennsport, Basketball, Hockey, Wasserball, moderner Fünfkampf) ihre Förderungswürdigkeit.
Der Auf- und Ausbau des Sportkomplexes im Süden der Stadt, förderte gleichzeitig die führende Position, die der hallesche Hochleistungssport in einigen Sportarten, z.B. Leichtathletik, Turnen, Wasserspringen, Rudern, auch international einnahm.
Im Jahre 1990 vollzogen sich im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten tiefgreifende Veränderungen, die sich auch auf die Sportstruktur und Sportorganisation in Halle auswirkten.
Die Umgestaltung der bestehenden Sportverbände wurde nach dem Vorbild der Organisation des Deutschen Sportbundes der Bundesrepublik (DSB) vorgenommen. Es konstituierten sich Kreis- bzw. Stadtsportbünde (KSB und SSB) in denen auch die Betriebssportgemeinschaften integriert wurden. Diese KSB und SSB gaben sich eine neue Satzung und ließen sich bei den Amtsgerichten als eingetragener Verein in das Register eintragen. Nun bot sich für viele Vereine die Möglichkeit, ihren alten Namen, meist den von vor 1945, wieder anzunehmen (z.B. VFL 96).
Der Stadtsportbund Halle e.V. gründete sich 1990 als Dachverband der Sportvereine der Stadt Halle aus 63 Vereinen mit 19.295 Mitgliedern.
